Begegnung mit der deutschen Vergangenheit

Exkursion der neunten Klassen des St.-Michaels-Gymnasiums Metten zur Gedenkstätte Dachau

Im Lehrplan der neunten Jahrgangsstufe des Gymnasiums ist im Rahmen des Geschichtsunterrichts eine Exkursion zu einer KZ-Gedenkstätte vorgesehen. Der Geschichtsunterricht in den neunten Klassen umfasst die Zeit von den Dreißiger bis zu den Siebziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts. Als Gedenkstätten in Bayern bieten sich Flossenbürg und Dachau an, in Österreich Mauthausen. Da das KZ Dachau in den ersten Monaten der NS-Diktatur errichtet worden ist und ihm in unseren Geschichts-Lehrwerken ein umfangreiches Kapitel gewidmet wird, entschieden sich die Geschichts-Lehrkräfte in den drei neunten Klassen des St.-Michaels-Gymnasiums in Metten für eine Exkursion nach Dachau am Dienstag, dem 09.04.2019.

Für Dachau spricht auch die Möglichkeit, einen Fahrtkostenzuschuss zu erhalten, und das Angebot kostenloser Führungen durch die Lehrkräfte eines Dachauer Gymnasiums, auch wenn Hin- und Rückfahrt von Metten nach Dachau vier Stunden dauern bei einem Aufenthalt vor Ort von ebenfalls vier Stunden. Außerdem war es den Schülerinnen und Schülern unserer drei neunten Klassen ein Bedürfnis, Geschichte am historischen Ort zu betreiben. Sie bereiteten sich nicht nur im Unterricht auf die Exkursion vor, sondern auch anhand eines Links zur Homepage der Gedenkstätte, der sowohl über den historischen Hintergrund als auch über die Geschichte des KZs und der Gedenkstätte informiert als auch einen Lageplan bereitstellt, der eine Voraborientierung in dem umfangreichen Gelände zulässt. (https://www.kz-gedenkstaette-dachau.de/)

Im Unterrichtsgespräch im Vorfeld der Exkursion ergab sich, dass die Schülerinnen und Schüler dem 09.04.2019 mit gemischten Gefühlen entgegensahen; sehr großes Interesse am historischen Ort verband sich mit der Sorge, ob sie dem Blick auf die Foltermethoden einer Diktatur und ihrer menschenunwürdigen Behandlung von Andersdenkenden gewachsen sein würden. Diese Überlegung stellte sich vor Ort als sehr berechtigt heraus, da bereits der Gang durch das ehemalige Wirtschaftsgebäude mit seiner Dauerausstellung zur Geschichte des KZs Bilder von Leichenbergen enthielt, von ausgemergelten Menschen, die nur noch aus Haut und Knochen bestanden, und von gequälten, verzerrten Gesichtern, die mitleidlos von den Wachmannschaften bei fragwürdigen medizinischen Versuchen gemacht worden waren. Immer stiller wurde die Gruppe bei den zwei hervorragenden Führungen vor allem auf dem Appellplatz, auf dem beim Zählappell der Häftlinge bis zu achtzehn Stunden nach einem langen Arbeitstag bei jeder Witterung ausgeharrt werden musste, in den Baracken, in denen penibel Ordnung gehalten werden musste, und jeder Fleck mit drakonischen Strafmaßnahmen geahndet wurde, und natürlich in den im Original erhaltenen Krematoriumsgebäuden. Auch im KZ Dachau wurden 1944 Häftlinge vergast, auch wenn dieses KZ „nur“ ein Arbeits- und kein Vernichtungslager war. Daher überfiel jeden, der das „Brausebad“ betrat, der Wunsch, diesen Raum so schnell wie möglich wieder zu verlassen.

Nach der Befreiung durch die US-Armee wurde das Lager zwischenzeitlich für NS-Mitglieder genutzt, anschließend zehn Jahre lang als Flüchtlingsunterkunft, da Wohnraum in den umliegenden Städten aufgrund der alliierten Bombenangriffe in den letzten Kriegsjahren knapp war. Erst in den Sechziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts wurde die heutige KZ-Gedenkstätte errichtet auf Wunsch der Überlebenden der ca. dreißig Nationen, die im KZ Dachau untergebracht waren. Besonders beeindruckend sind auf dem Lagergelände die religiösen Begegnungsstätten, in denen regelmäßige Gottesdienste stattfinden. Sie erinnern daran, dass ein großer Teil der Häftlinge Priester waren; jüdische Häftlinge stellten nur einen Bruchteil der Gefangenen dar.

Im abschließenden Gespräch zu dieser Exkursion stimmten die Schülerinnen und Schüler mit ihren Lehrkräften überein, dass die Grausamkeit, mit der Andersdenkende aufgrund einer menschenverachtenden Ideologie von deren Vertretern behandelt worden sind, auch nach der Besichtigung dieses historischen Ortes unvorstellbar ist. Unvorstellbar ist auch der Druck, den eine Diktatur wie der Nationalsozialismus auf die sog. Volksgemeinschaft ausgeübt hat; immerhin lag das KZ Dachau in der Nähe einer Großstadt, und bei entsprechender Windrichtung war der Geruch der Krematorien sehr deutlich. Trotzdem wurde über diese Beobachtung geschwiegen, für uns als Bürgerinnen und Bürger einer Demokratie nicht nachvollziehbar. Umso wichtiger ist der Einsatz für den Schutz dieser Demokratie, für die Menschenrechte und die Würde eines Menschen, ganz gleich, welcher Nationalität, Religion und Hautfarbe.