Wiedereröffnung der Pfarrkirche St. Vitus in Neuhausen

Christian Holmer • 29. Juli 2026

Altes und Neues in Harmonie verbunden

Wiedereröffnung der Pfarrkirche St. Vitus in Neuhausen nach umfassender Renovierung – eigene Kaffeesorten 

Es hat dann doch etwas länger gedauert als geplant. Doch wie es bei so mancher Gelegenheit so schön heißt: „Das Warten hat sich gelohnt!“ Dieser Tage versammelten sich eine stattliche Zahl an Pfarrangehörigen sowie die Abordnungen der Vereine aus Neuhausen, Offenberg und Buchberg um gemeinsam mit Pfarrer P. Gregor Schuller OSB, den Verantwortlichen der Pfarrgemeinde Neuhausen und weiteren geladenen Gästen die Pforten der altehrwürdigen Pfarrkirche St. Vitus im Herzen von Neuhausen erneut zu öffnen. Nach rund 16 Monaten Bau- und Renovierungstätigkeit, seit Pfingsten letzten Jahres war dann der Sakralbau für Gottesdienste gesperrt worden, erstrahlt nun das Dorfjuwel von Neuhausen in neuem schlichten Glanz. Die nötigen Ertüchtigungen im Dachgebälk, in den gemauerten Giebeln der Seitenschiffe, der Dachauflagen über dem Altarraum und schließlich die Ausbesserung der Putzschäden im Außenbereich sind nun vollständig abgeschlossen. Eigentlich wollte man ja bereits zu Weihnachten 2025 wieder Einzug in der Pfarrkirche, die ihren baulichen Ursprung zurückdatieren kann bis ins 12. Jahrhundert, halten. Leider zeigten sich im Rahmen der Sanierung, die als Ertüchtigung der Außenfassade, Konservierung der historischen Buntglasfenster und Ertüchtigung der Dachstühle über Haupt- und Seitenschiffen angelegt war, zusätzliche und vor allem massive Schäden im Gewölbe über der Apsis und in den Verbindungen zur sogenannten Wintersakristei. Der Raum an der Südseite des Kirchengebäudes ist der Rest des romanischen Kirchturms aus längst vergangener Zeit. Der barocke Kirchturm, der von weit bereits zu sehen ist, ist ein Werk aus dem beginnenden 18. Jahrhundert und blickt auf 300-jährigen Bestand. Der Chorraum stammt in seiner gotischen Ausführung noch aus dem 15. Jahrhundert. Das Mittelschiff ist sicher eines der ältesten Bauteile, gefolgt vom südlichen Seitenschiff, welches früher kleine Kapellen beherbergte und die Gräber früherer Adelsgeschlechter von Offenberg und Wildenforst aufnahm. Im Jahr 1876 hatte man zur Vervollständigung des Erscheinungsbildes das nördliche Seitenschiff angebaut. Über dem Seitenportal hat man eine Szene der Kreuzabnahme Jesu angebracht, die in ihrer steinernen Ausführung weit älter sein dürfte. Ähnlich verhält es sich mit den Buntglasfenstern und den Natursteinfassungen, die die Buntglaselemente im Presbyterium aufnehmen. Hier waren umfangreiche Sicherungs- und Konservierungsmaßnahmen erforderlich. Die Fenster aus dem Übergang vom 19. zum 20. Jahrhundert mit älteren Einsatzteilen waren zu diesem Zweck ausgebaut worden. Die Natursteinfassungen der Fenster wurden ertüchtigt, umfassend gereinigt und zeigen wieder den Glanz alter Zeiten. Auch dass Kaffgesims, welches die Apsis im Osten umgibt wurde wieder vervollständigt. Schließlich galt es neben den Arbeiten im Dachgebälk, vor allem der Hausschwamm hatte den Dachstühlen in den letzten Jahren massiv zugesetzt, auch das Gewölbe über dem Altarraum buchstäblich „zu richten“. Durch Verschiebungen und massive Spannungsverhältnisse war die Gewölbedecke in ihrer angelegten Sternfiguration stark in Mittleidenschaft gezogen worden. Teile mussten von Grund auf neu aufgesetzt werden, um den alten Glanz wieder herzustellen und bestehende intakte Bauteile weiter zu schützen. Schließlich erhielt das Gotteshaus einen neuen Anstrich der Außenfassade und auch im Inneren wurden an verschiedenen Putzstellen ein neuer Farbanstrich aufgebracht. Für Stabilität im Bereich der Apsis sorgen nun Einzüge, die teilweise im Altarraum sichtbar sind. Der Hochaltar, welcher am 25. April 1726 neu geweiht wurde konnte bei der Gelegenheit ebenfalls neu ins Zentrum der Betrachterblicke gesetzt werden. Insgesamt zeigt sich die Pfarrkirche außen wieder in der gewohnten schlichten Schönheit. Der barocke Turm sticht wieder hervor und die weiteren Bauteile zeigen in der Außenfassade wieder ein einheitliches Farbbild. Ein kleiner Hingucker in Form eines goldenen „Vitus-Hahnes“ wurde von Kirchenrestaurator Claus Mitterdorfer außen am mittleren Fenster der Apsis angebracht. Wer neugierig geworden ist, ist gebeten, sich auf Erkundungstour zu machen. So viel sei verraten: Am besten sieht man den kleinen Hahn in den Vormittagsstunden bei strahlendem Sonnenschein. Das Hochaltarbild von Pater Wolfgang Maier, welches vor über 120 Jahren eigens für die Pfarrkirche in Neuhausen in Auftrag gegeben wurde, hat seinen alten Platz wieder eingenommen. Es zeigt in sehr anrührender Darstellung das Martyrium des heiligen Vitus, der von seinen Zieheltern Creszentia und Modestus begleitet wird. Ihnen zu Füßen liegen Löwen. Das Bild fasziniert, nicht zuletzt auch durch die originale Bemalung und Farbgestaltung. Das Warten hat sich gelohnt und es wurde auch belohnt. Bei strahlendem Sommerwetter bewegten sich die Fahnenabordnungen und die Gläubigen zur Pfarrkirche. Angeführt von einem Bläserensemble und dem liturgischen Dienst schritten Abt Athanasius Berggold OSB, Pfarrer Pater Gregor Schuller OSB, Kooperator Pater Norbert Pfeiffer OSB und Diakon Karl-Heinz Seiler zum Kirchenportal auf der Westseite. Zunächst weihte Pater Gregor das vorbereitete Weihwasser, mit dem die Gläubigen beim Einzug in die Kirche besprengt wurden. Vor dem Einzug galt es allerdings noch, das Portal zu öffnen. Hier kam ein alter Ritus zum Einsatz. Erst nach der dritten, von Pater Gregor vorgetragenen, Bitte fanden Geistlichkeit und Gläubige „Gehör“ und wurden durch das Portal eingelassen. Sogleich hob prächtiges Orgelspiel an. Regionalkantor Pius Schuhbaum zeichnete hier verantwortlich. Er gestaltete zusammen mit dem Bläserensemble, dem Gemeinschaftschor der Pfarreiengemeinschaft Metten-Neuhausen und Solistin Mathilda Liebl die Kirchenmusik. Die musikalische Gesamtleitung lag in den Händen von Christoph Liebl. Die Lesungen wurden von Kirchenpfelgerin Claudia Mühlbauer und Mesnerin Martina Steininger vorgetragen. Beim Vortrag der Fürbitten fungierten neben Pfarrer und Diakon auch Pfarrgemeinderatssprecher Christian Holmer, die Kirchenpflegerin, Architektin Susanne Caspary, Restaurator Claus Mitterdorfer und eine Ministrantin. In seiner wortgewandten Predigt blickte Abt Athanasius auf die Zeit der Renovierung und tauchte mit den Gläubigen zugleich in die Geschichte der altehrwürdigen Pfarrkirche ein. „Sie ist eure Kirche!“ Dieser Apell verbunden mit der Bitte, die Kirche nun wieder mit Leben zu füllen, erging mehrmals von Abt Athanasius an die Neuhausener Gläubigen. Schließlich blickte Abt Athanasius auch auf das Leben des Pfarrpatrons. Mit Blicken auf die Lebens- und Leidensgeschichte des jugendlichen Heiligen aus dem dritten christlichen Jahrhundert. Zum Staunen brachte der Benediktinerabt die Anwesenden als er Verbindungen von Neuhausen in alle Himmelsrichtungen zu bekannten Vitus-Kirchen herstellte. Am Ende der feierlichen Messfeier, in deren Rahmen auch der Volksaltar erstmals wieder festlich gedeckt wurde, oblag es Ortspfarrer Pater Gregor Schuller Dankesworte in alle Richtungen zu schicken. Er dankte den bisherigen und den neuen Kirchenverwaltungsmitgliedern. Zugleich dankte er allen an der Maßnahme beteiligten Firmen und schließlich auch Architektin Susanne Caspary. Sein Dank galt ferner der Diözese Regensburg, der Gemeinde Offenberg, dem Landkreis Deggendorf und allen weiteren öffentlichen Stellen und Institutionen, die die Maßnahme mit Fördergeldern und Zuschüssen unterstützt haben. Pater Gregor dankte auch allen Spendern und jenen, die sich noch zu der Reihe der Spender zählen lassen wollen. Die Renovierungsmaßnahme umfasste ein Kostenvolumen von gut 1,5 Millionen Euro. Einen Löwenanteil deckt das Bistum Regensburg mit einem Zuschuss ab. Ein beträchtlicher Teil verbleibt der Pfarrei, die die Maßnahme aus Rücklagen, Spenden und sonstigen Zuwendungen decken muss. Von Seiten der Gemeinde Offenberg kann ein Zuschuss von insgesamt 80.000 Euro erwartet werden. Die Horst-Minihold-Stiftung gab ebenfalls eine finanzielle Gabe zugunsten der Ertüchtigung der Buntglasfenster. Bürgermeister Hans-Jürgen Fischer freute sich, dass das kirchliche Leben in Neuhausen den zentralen Ort von Gebet und Feiern zurückerhalten hat. Er dankte allen, die sich um das katholische Herz der Ortschaft kümmern und wünschte sich, dass in das frischrenovierte Gotteshaus wieder Leben einzieht. Stellvertretender Landrat Eugen Gegenfurtner übermittelte die Grüße von Landrat Bernd Sibler und gratulierte ebenfalls zum gelungenen Sanierungsprojekt. Kirchenpflegerin Claudia Mühlbauer, die sich namens der kirchlichen Gremien bei allen am Bau beteiligten Firmen bedankte und zu den Pfarrangehörigen sprach, oblag es zusammen mit Pfarrgemeinderatssprecher Christian Holmer die anlässlich der zurückliegenden Kirchenverwaltungs- und Pfarrgemeinderatswahlen ausgeschiedenen ehemaligen Gremiumsmitglieder zu verabschieden. Den Ehrenamtlichen wurde ein Blumengruß und eine Packung Vitus-Kaffee als Geschenk überreicht. Letzterer ist eine Dreingabe für eine Spendenaktion zugunsten der Kirchenrenovierung. Die Pfarrei ließ zwei Kaffeesorten auflegen, die ab sofort im Pfarramt zu den Öffnungszeiten und nach den Gottesdiensten in Neuhausen erworben werden können. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, die Pfarrei bei der Abfinanzierung der Baukosten mittels Spenden zu unterstützen. Spenden können auf das Konto der Kirchenstiftung Neuhausen mit der IBAN DE83 7415 0000 0380 3020 59 überwiesen werden. Nach der festlichen Messfeier waren alle Gottesdienstbesucher noch zum gemütlichen Beisammensein auf dem Kirchplatz eingeladen. Mitglieder von Kirchenverwaltung und Pfarrgemeinderat sorgten für die Bewirtung der Gäste mit frischen Getränken, herzhaften Würsteln vom Grill und frischgeschnittenem Käse, dazu frisches Backwerk. Der Erlös von über 3000 Euro kommt ebenfalls der Kirchenrenovierung zugute.

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